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Das Evangelium nach Johannes zeichnet sich durch eine Tiefe aus, die uns in die Höhe trägt. Das tut es nicht bloß aus dem Grund, weil es theologisch so anspruchsvoll ist, sondern weil in seinen Worten das Wort Gottes zu uns spricht. Uns in dieses Wort zu vertiefen, es zu verstehen und zu verinnerlichen, sollte unser dringlichster Wunsch sein.
Betrachten wir gemeinsam fünf Bibelverse und beleuchten wir das jeweilige Kapitel. Nicht jede Stelle gilt als die bekannteste, aber jede Stelle ist die bedeutendste, wenn sie uns hilft, das Wort Gottes zu entdecken und zu erkennen.
Johannes 1,48: Woher kennst du mich?
Im ersten Kapitel des Johannesevangeliums bringt Philippus Nathanael zu Jesus. Jesus begrüßt ihn mit Worten, die zeigen, dass er ihn kennt. Nathanael fragt deshalb, woher. Jesus gibt ihm eine spannende Antwort, die zu einem großen Bekenntnis führt: Schon bevor dich Philippus rief, habe ich dich unter dem Feigenbaum gesehen. Natanaël antwortete ihm: Rabbi, du bist der Sohn Gottes, du bist der König von Israel! Überlegen wir, was die Antwort bedeutet und für uns heißt. Auch wir dürfen Fragen stellen, müssen aber mitkommen und sehen, um zu erkennen und zu bekennen. Wir sind nie allein unter dem Feigenbaum.
Johannes 6,21: schon war das Boot am Ufer
Im sechsten Kapitel fahren die Jünger in ihrem Boot bei Nacht über den See Genezareth. Ein Sturm kommt auf. Da kommt Jesus ihnen über das Wasser entgegen. Sie fürchten sich. Er beruhigt sie. Die Erzählung endet mit dem Satz: Sie wollten ihn zu sich in das Boot nehmen, aber schon war das Boot am Ufer, das sie erreichen wollten. Die Geschichte endet überraschend abrupt. Und es scheint sich ein weiteres Wunder zu ereignen, denn wie ist es möglich, dass das Boot plötzlich am Ufer ist? Die Antwort könnte lauten: Weil Gott das Ufer ist, weil Gott das Ziel ist.
Johannes 17,17: dein Wort ist Wahrheit
Im siebzehnten Kapitel betet Jesus beim Mahl mit den Jüngern das Hohepriesterliche Gebet, bevor er verhaftet, verhört und gekreuzigt wird. Darin spricht er die Worte: Heilige sie in der Wahrheit; dein Wort ist Wahrheit. Sehen wir uns an, was mit dem Wort und der Wahrheit gemeint ist und betrachten wir die Definitionen der Wahrheit. Wir werden entdecken, dass die Wahrheit, von der Jesus spricht, unendlich größer ist. Wir sehen es an der berühmten Frage, die Pilatus im nächsten Kapitel stellt: "Was ist Wahrheit?" Die Frage ist falsch gestellt. Sie muss lauten: Wer ist Wahrheit? Die Antwort lautet: Gott.
Johannes 20,28: Mein Herr und mein Gott
Im vorletzten Kapiel erscheint Jesus seinen Jüngern ein zweites Mal nach seiner Auferstehung. Diesmal ist auch Thomas dabei, der beim ersten Mal fehlte. Als die Jünger ihm erzählen, dass sie Jesus sahen, glaubt er ihnen nicht und will das Mal der Nägel sehen und seine Hand in seine Seitenwunde legen. Nun zeigt ihm Jesus seine Wunden und fordert ihn auf, ihn zu berühren und gläubig zu sein. Thomas antwortet mit einem der schönsten Bekenntnisse: "Mein Herr und mein Gott!" In der Ergriffenheit zeigt sich eine Hingabe, die der Erkenntnis der Offenbarung Gottes entstammt. Sehen wir uns an, wie aus Glauben wahrer Glaube wird.
Johannes 21,4: Als es schon Morgen wurde, stand Jesus am Ufer
Im letzten Kapitel offenbart sich Jesus den Jüngern nach seiner Auferstehung am See Genezareth ein drittes Mal. Sie sind in der Nacht fischen, fangen aber nichts. Nun wird es Morgen und Jesus erscheint. Er lässt hundertdreiundfünfzig Fische in ihr Netz gehen, bietet ihnen Fisch und Brot an und beauftragt Petrus, seine Lämmer und Schafe zu weiden und ihm nachzufolgen. Es ist eine Szene, in der sich viel ereignet und trotzdem friedlich anfühlt. Es ist das Ende des letzten Evangeliums und trotzdem beginnt hier alles neu. Es ist ein neuer Anfang für die Jünger und für uns alle. Denn der Morgen kommt durch den, der der Morgen ist - Jesus. Weil Gott der
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